Die erste Reise:
Wie wir überhaupt nach Montenegro kamen.

Nachdem wir im Frühjahr 2024 eine Reise nach Italien in den Monte Gargano unternommen hatten, und hier neben einer wunderbaren Adria insbesondere ein großartiges blühen und sprießen der Natur genießen durften wollten wir zunächst die gleiche Gegend im Herbst wieder besuchen um vor dem deutschen Winter noch einmal wärme zu tanken und das reifen und fruchten zu erleben.

Da aber zum Herbst ´24 hin die Schlagzeilen der Medien begannen eine angebliche Vogelgrippe- und kurz darauf eine Schweinepest – Inszenierung zu verkünden hatten wir gewisse Sorgen wie sich diese in Italien ausnehmen würde. Zu aktuell waren noch die Erinnerung an ein letztes derartiges Ereignis…
Kurz wir beschlossen, die andere Seite der Adria zu erforschen. So wären wir im Fall der Fälle vielleicht eher in der Lage durch einen „Landeswechsel“ uns etwaigen Unannehmlichkeiten zu entziehen. Zum Glück trat aber nichts derartiges ein.

Wohin die Reise geht

So wurde also eine Reise durch Slovenien, Kroatien, Bosnien-Herzegovina und Montenegro geplant.

Ende September 2024 machten wir uns mit unserem „Duc“ auf die Reise. Diese wurde jedoch kaum hundert Kilometer von Zuhause zunächst abrupt unterbrochen, da der Ducato mit einem Schaden des Hinterachsdifferentials liegen blieb.

Zum Glück gelang es der Werkstatt das kaputte Teil vom Antrieb zu trennen und so konnten wir mit zwei Tagen Verspätung unsere Reise dennoch fortsetzen.
Schon da wurde es klar, dass diese Reise noch von anderen Faktoren bestimmt sein würde als nur von unseren Urlaubsplänen…

So kamen wir schlussendlich durch die Karawanken in das alte Illyrien. Von unsere Reise durch Kroatien Bosnien, Herzegowina und Srspka könnte vieles berichtet werden, aber hier geht es ja zunächst um Montenegro.
Doch die Wahl der Route durch das Land welches vor nicht all zu langer Zeit Schauplatz eines Stellvertreterkrieges geworden war hat uns doch sehr für die Besonderheit dieser Region sensibilisiert.

Montenegro!

Umso erstaunter waren wir, als wir durch wildes Bergland über eine alte Holzbrücke über den Tarafluß nach Montenegro in den Durmitor Nationalpark hineinfuhren.

So deutlich es zu spüren war, so schwer ist es zu beschreiben: Dieses Land wirkt anders auf die Seele als ich es bisher in einem europäischen Land erlebt habe: Die Menschen sind ruhig, höflich und hilfsbereit dabei respektvoll und nicht anbiedernd. Sicher als Tourist ist man, gerade in solchen abgelegenen Regionen eine willkommene Einkommensquelle. Das kann sich aber wie wir in Frankreich, Italien, Kroatien und Bosnien erleben durften auch gänzlich anders darstellen… Hier zumindest wurden wir freundlich und dabei selbstverständlich behandelt, im weiteren aber in Ruhe gelassen. Am ehesten kann ich es damit beschreiben, daß diese Menschen einen freundlichen Stolz besitzen welcher es sehr angenehm macht mit ihnen zu verkehren.

A pro pos kommunizieren: da wir beide kein Serbisch sprechen und überhaupt nur rudimentär die slawische Sprachfamilie kennen, war eine Verständigung meist kaum verbal möglich. Dennoch hatten wir von Beginn an keine Probleme uns verständlich zu machen. Man merkt, daß diese Menschen es gewöhnt sind sich über Sprachgrenzen hin verständlich zu machen. Mit Gesten, einzelnen Worte und einer Aufmerksamkeit für Details gelingt eine erstaunlich komplexe Kommunikation.

Nicht anders als überwältigend kann man den Eindruck bezeichnen, welchen das Durmitor Gebirge mit seinem weiten kargen Hochflächen, den Canyonhaften Schluchten und sanften Hügeln neben schroffen Felsen auf die Seele macht. Unser Duc erklomm tapfer gewundene Passstraßen und Sträßlein.

Hier verbrachten wir einige sehr schöne Tage. Hier konnten wir das Getöse der Welt wunderbar zurücklassen und uns ganz im „Hier und Jetzt“ bewegen.
Ein wunderschöner Indian-Summer mit bunten Ahorn- und Buchenwäldern lud in den in den Niederungen des Hochplateaus ein. Auf den Hochstraßen blies ein schneidiger Wind den Kopf frei. Am „schwarzen See“ konnten wir die ersten Nachtfröste erleben.

Der Weg ans Meer

Unser Plan war es ursprünglich gewesen von der Đurđevića-Tara-Brücke aus der Tara zu folgen und einen Weg in den Süden Richtung Bar oder Ulcinj zu suchen.
Doch hatten wir diesen Plan ohne Montenegrina gemacht, diese sah anderes vor:
Die Straße die Taraschlucht entlang war wegen eines Erdrutsches unpassierbar. So wurden wir wieder zurück auf die Hochebene geleitet. Von hieraus suchten wir uns dann einen Weg über sehr kleine Sträßlein, vorbei an kleinen Dörfern, durch Schluchten und über Pässe.
In einem zu einem Tal erweiterten Schlucht fanden wir einen Stellplatz. Der dortige Betreiber hatte lange in Deutschland gelebt und konnte vieles erzählen und uns einige Fragen beantworten welche wir über Land und Leute hatten. Reich beschenkt mit Gemüse aus seinem Garten fuhren wir dann den einzigen Weg von dort direkt nach Podgorica.

Inzwischen bewegten wir uns im Land entspannter. Verglichen mit unseren Erfahrungen als Reisende in anderen südeuropäischen Großstätten fühlten wir uns auch in Podgorica bestens aufgehoben. Einer der Gründe dafür so scheint es ist auch die relative homogenität der Bevölkerung. Es gibt selbstverständlich viele Touristen, sogar im Herbst. Aber ansonsten erlebt man Montenegro als ein Land der Montenegriner.

Am Skutarisee

Von Podgorica aus führte uns unser Weg durch fruchtbare Landschaften direkt zum Skutarisee.
Ein außergewöhnliches Gewässer welches sich teilweise als flache Sumpflandschaft präsentiert an anderen Stellen von hohen Bergen flankiert ist.
Nach dem eher schroffen und kargen Gebirge mit teilweise Alpinen Charakter und der weiten fruchtbaren Ebene um Podgorica war diese Landschaft mit ihrer eigenartigen Mischung aus mediterranen Bewuchs, den eigenartigen hügeligen Ufern, mit gewundenen Flusslauf und den vielen Wasservögeln ein Erlebnis von unglaublicher Intensität und Fülle. Man konnte sich an den Ausblicken wahrhaftig nicht sattsehen.
Satt wurden wir allerdings in einem kleinem familiären Restaurant am Ufer mit einem wunderbaren Ausblick über den See. Hier wurden wir mit einem unübertroffenen Fischteller bewirtet, und durften gleich vor Ort mit unserem Camper stehen bleiben.

Endlich ans Meer

Gemessen an unserem ursprünglichen Zeitplan für die Reise waren wir inzwischen „hoffnungslos verspätet“. Es wurde also Zeit endlich ans Meer zu kommen da wir ursprünglich geplant hatten uns langsam die kroatische Küstenstraße wieder Richtung Norden zu bewegen.
Außerdem mussten wir leider bemerken dass das Getriebe unseres Ducato eigenartige Geräusche von sich gab, durch die Vorgeschichte hatten wir ernste Befürchtungen wieder Liegen zu bleiben.

Wir traten also mit verringerte Fahrtgeschwindigkeit den kürzestem Weg Richtung Meer an. Da der Skutarisee durch einen hohes Gebirgszug vom Meer getrennt ist kamen wir durch einen langen Tunnel endlich an die Uferstraße weit oberhalb der Adria heraus.
Wie anders war hier die Natur: mediterrane Küstenlandschaft wie man sie sich schöner nicht denken kann! Der gewundene Küstenstraße folgten wir und waren begeistert von den Ausblicken aufs Meer.


Unere Suche nach einem „guten Platz am Meer“ führte uns zunächst durch die alte Hafenstadt Budvar auf eine kleine Halbinsel in der Nähe von Tivat. In einem kleinen Fischerdorf tranken wir einen großartigen Kaffe und streckten unsere Füße das erste mal auf dieser Reise ins Meer.

Hier fanden wir, etwas vom Meer zurückgelegen, einen Stellplatz bei einem herzlichen deutschen Aussiedlerpärchen.
Nun standen wir in einer kargen teilweise felsigen Landschaft mit makijaartiger Vegetation, mit einzelnen Zypressen und allerlei anderen mediterranen Bewuchs. Die Küste war steil und steinig, die Aussicht dafür um so schöner.

Wie gelangt man denn nun aber ans Wasser? Wir ließen es uns erklären, und machten uns bald darauf zu Fuß auf den Weg zu einer Badebucht.

Alexander

Wir waren noch nicht weit gekommen, als ein Auto hinter uns den holprigen Schotterweg hinabkam. Der Fahrer deute uns an einzusteigen und es stellte sich alsbald heraus, daß er ein in Deutschland aufgewachsener Serbe war, welcher hier nun seit gut 20 Jahren lebt.
Darüberhinaus erfuhren wir, daß der Ort an dem er in Deutschland zur Schule gegengen war und bis zu seinem Umzug nach Montenegro gelebt und als KFZ-Meister gearbeitet hatte, nicht weit von unserem Wohnort entfernt lag, wir also aus dem gleichen Eck´ kamen.

Alexander Versprach uns, uns zum Strand zu bringen, er müßte nur noch kurz auf einer von ihm geleiteten Baustelle etwas klären. Nachdem dies geschehen war. Kamen wir wir zu einer hübschen kleinen Bucht mit ein paar Häusern am Ufer. Hier halfen wir noch einen Stromspeicher auszuladen und in das Haus eines mit Alexander befreundeten Kapitäns zu bringen.
Auf dessen Terrasse verbrachten wir dann mit spannenden Gesprächen den Rest des Nachmittags. Das Meer mußte warten.
Wir erfuhren hier so viel spannendes und neues und tatsächlich kam an jenem Nachmittag schon die Frage auf ob es nicht Interesse gäbe hierher zu ziehen -.

Zunächst einmal siedelten wir Tags darauf von unserem Stellplatz zu einem Strand um, an dem ein Freund von Alexander ein Kaffee betrieb.
Hier konnten wir nun nach Herzenslust am Ufer sitzen und sogar schwimmen und schnorcheln.
Die Weiterreise Richtung Kroatien war damit zunächst erstmal verschoben. Ein solches Paradies wie dieser Strand findet sich nicht so leicht, also reist man von dort auch nicht sogleich wieder ab. Zum anderen konnte wir durch Alexanders Vermittlung das Getriebe unseres Duc checken lassen und zu guter letzt war es unglaublich spannend Alexander bei dessen Geschäften zu begleiten und dieses Land damit nochmals viel genauer und vor allem aus einer absoluten Insider-Perspektive kennen zu lernen.

Nebenbei bekam ich auch allerhand zu tun: Es gab einige Knie, viele Rücken und Nacken und Schultern zu Behandeln.
Osteopathie ist in Montenegro als solche unbekannt, dennoch sprach es sich sehr schnell herum das dort ein kompetenter Behandler verfügbar war und es machte mir große Freude improvisierend ohne Behandlungsliege und sonstige Hilfsmittel, mit kleinem aber schnellwachsenden Vokabular Lösungen für so manches gesundheitliche Problem zu finden.

Auch lernten wir einige deutsche Auswanderer kennen, welche teilweise schon länger hier wohnten, zum Teil aber auch erst kürzlich ins Land gekommen waren. Von ihnen erfuhren wir viele Geschichten wie es einem in Montenegro als Aussiedler ergehen kann. Manche dieser Geschichten ließen uns sehr nachdenklich zurück, andere wiederum machten uns Mut. Auf jedenfall wurde das Bild welches wir gewinnen durften auch durch diese Begegnungen sehr bereichert.

Jetzt hatten wir schon viele Tage, welche wir als entspannten Rückweg geplant hatten hier am Meer verbracht. Es wurde also unausweichlich den Heimweg anzutreten.

Der Duc hatte das Geheimnis seiner komischen Getriebegeräusche nicht wirklich preisgegeben, wir konnten aber auch keine weitere Verschlechterung des Zustandes ausmachen, deswegen traten wir schlußendlich hoffnungsvoll und nicht schneller als 80 km/h fahrend die lange Heimreise an.

Ein kleines Stück der Uferstraße „Jadranska Magistrale“ durften wir noch in Montenegro genießen und zu des Ducato großer Freunde führte uns der Weg über eine Fährverbindung an der Bucht von Kotor. Danach ging es über Herceg-Novi über die Montenegrinisch-Kroatische Grenze Richtung Dubrovnik.


Beim Grenzübertritt war das Gefühl dieses Land gar nicht verlassen zu wollen unerwartet stark.

Nach Norden

Die Reise die Uferstraße entlang war lang aber schön. Mit verminderter Geschwindigkeit tuckerte der Duc tapfer die Kurven entlang. Vorbei an Dubrovnik, über Brücken und Tunnel, bis Split. Dann gaben wir die Kurverei auf und fuhren die Autobahn.
Auf der kroatischen Insel Otok Murter verbrachten wir eine letzte schöne nacht an der Adria um dann am nächsten Tag nach Slowenien zu reisen.

Nach einem weiteren Stop auf einer Apfelfarm in Slowenien überwanden wir die Alpen und kamen heile wieder im regnerisch kalten Deutschland an.

Rückschau

Was als Urlaub begann, hatte sich unversehens in eine lebensbestimmende Reise verwandelt. Es war nicht so das wir zu diesem Zeitpunk schon irgendwelche konkreteren Planungen bezüglich einer Auswanderung unternommen hätten, aber dennoch war uns diese Möglichkeit in gewisser Weise plastisch vor Augen geführt worden. Was wir bis zu diesem Zeitpunkt als ein vages Gefühl in uns trugen, hatte andere Konturen bekommen.

Da sich unser Leben und unser Lebensgefühl in diesem Land seit 2021 sehr nachhaltig verändert hat und ein Ende dieser Entwicklung kaum absehbar erscheint, beschäftigten wir uns schon längere Zeit mit einem „Plan B“, wie zu verfahren wäre wenn die Umstände in diesem Land für Menschen in Selbstständigkeit und mit nicht Mainstreamkonformer Lebensausrichtung noch „ungemütlicher“ werden, als wir dies hinlänglich erlebt hatten.
Allerdings war diese „Planung“ tatsächlich mehr eine Überlegung für den worst Case und auf die Idee, dass ein Leben außerhalb Deutschland auch unabhängig von einer extremen politischen Entwicklung eine Option sein könnte, hatten wir bis dahin so noch nicht ernsthaft verfolgt.

Unsere Erfahrungen mit Montenegro haben uns diesbezüglich eine neue interessante Perspektive eröffnet. Einerseits hat uns dieses Land auf eine sehr authentische Art und Weise seelisch entsprochen, andererseits konnten dir durch die Einblicke welche wir durch die Begegnung mit Alexander gewinnen konnten auch auch realistisch abschätzen was es für eine Emigration bräuchte und wo die Chancen und die Risiken für ein solches Projekt lagen.

Klar war auf jeden Fall, daß wir so als bald als möglich wieder nach Montenegro reisen würden um die Wahrnehmungen und Erfahrungen die wir das ersten gemacht haben sozusagen zu vertiefen und zu verifizieren. Eine nächste Gelegenheit würde sich über die Weihnachts und Neujahrstage ergeben, sodaß wir für diese Zeit eine zweite Reise planten.